Diese furchterregende, gähnende Leere, diese trockene Dünenlandschaft ist was ich mein Heim, meine Welt nenne, nachdem ich geflogen und geschwebt bin auf den Sternen der anderen, ihre Welten besucht habe und wieder einmal merke, dass ich zurückkehren muss. Dass ich mich nach einigen rauschhaften Tagen wieder einmal schlafen legen muss.
Die dumpfe Stille ist der süße Klang der Realisation, dass ich keiner dieser Welten, dieser Orte wirklich zugehörig bin oder je war, sondern wahrhaftig eine Streunerin, eine Nomadin zwischen den Betten der anderen bin.
Die Traurigkeit in meiner Brust ist die sanfte Umarmung, das Willkommenheißen zurück in dem, was ich am ehesten noch mein Zuhause nennen kann: Die Einsamkeit.
Das Netz, das mich fängt, die Hand, die mich hält, wenn andere Hände loslassen, meine innigste Vertrautheit, meine Familie und Freunde, das ist die Kunst, das sind die Künste. Die Farben, Worte, Laute, Töne, Linien sind die Verbündeten, die ich nie hatte.
Wenn ich nach Hause komme und ich sein Haar noch in meinen Fingerspitzen riechen, seine Lippen noch auf meinen spüren kann, sehe ich vor meinen Augen eine Welt ersterben, zerbröckeln. Die Illusion davon, wirklich als Ich in meiner Gesamtheit gewollt, bejaht, bewundert zu werden, und ich trete aus einer Welt der Farben und Formen zurück ins bodenlose Schwarz. Plötzlich erkenne ich, dass er mich nie wollte und nie wirklich sah, und ich ihn genauso wenig. Ich wollte lediglich das Gefühl, gewollt zu werden. Ich suchte nur, als einzig logischen menschlichen Handlungsimpuls, nach einem Fluchtweg aus erstickender Dunkelheit.
Ich bin allein und wieder heimatlos.
Die meisten der Menschen, die ich kenne, haben ihren inneren Wohnort, ein innewohnendes Wissen, wo sie beginnen und die Außenwelt endet. Eine innere, selbstverständliche Klarheit darüber, wer sie sind und wo sich im Außen ihr Platz befindet. Das ist eine Eigenschaft, die ich bisher noch nicht erlernen konnte. Weder in mir noch außerhalb von mir gibt es ein wahrhaftiges Zuhause oder ein Gefühl von Beständigkeit für mich. Es gibt immer nur die Welten der anderen.
Ich bin zurück in meinem Zimmer und fühle wieder die Verdammnis, zu fühlen. Er erhob mich in nicht auszudenkende Himmel, er gab mir das Gefühl, auserwählt zu sein, nur um nun wieder alle diese Kilometer, diese unbarmherzige lange Strecke hinabzufallen in die luftlose Welt der Wüste, des Schmerzes und der Einsamkeit. So langsam erahne ich bereits mit jedem Mal, das jemand mir lächelnd seine Tür öffnet und mich willkommen heißt, dass ich bald darauf wieder entweder gebeten oder gezwungen werde oder mich aus freien Stücken entscheide, zu gehen. Ich bin stets nur eine Besucherin, stumm und ahnungslos davon, was vor oder nach meinem Besuch geschieht. Was mein Handeln verändert.
Und so sitze ich in meinem Bett und plötzlich scheint der Gedanke an den Schmerz wie die naheliegendste Idee. Aller körperlicher Schmerz tut weh, doch er ist erträglicher für mein Gemüt als die Wüste. Er ist Blitz und Donner, Regenerguss in der Wüste.
Ich schreibe und mein Herz weint so viele Tränen. Die Sehnsucht und Lebenstrauer habe ich beinahe vergessen in meiner verzweifelten Manie des Gefühls, geliebt zu werden.
Ich bin eine Weltenwanderin, eine Seelensammlerin.
(10.12.2025)

