Die Fusion unserer Wahrnehmungen

Du erfindest dich durch mich.
In meiner 
den Stift 
zum Tanz anregenden 
Hand
liegen deine Ewigkeiten gefüllt von
Unmut und Platzangst,
deine Jahre 
in denen dein Kopf zerbrochen 
an
den Mauern die 
ein Fremder dir gesetzt,
zerschellt am gnadenlosen Beton der
MODERNEN WELT.

Wenn ich schreibe
hör ich deine Schreie,
ich spüre 
durch meine Finger fließen,
auf Linien sich ergießen,
dein 
SCHMERZENDES HERZ.

Du erfindest dich durch mich.
Lektionen
die ich beherrsche
malst du in frischen Farben 
auf mein Auge
und tauscht meine Sicht aus.
Meine Lippen färben sich blau
deine Worte so rau
wie keine anderen.
Jedes Mal, wenn ich den Stift ansetze – 
ein Atemzug von dir 
aus mir heraus.

Du erfindest dich durch mich – 
siehst du, dass wir eines sind?
Ich bin dein
ich bin du – 
ich sterbe jeden Tag und du siehst mir nicht zu, nein – 
DU TÖTEST MICH!
Und stehst mir bei dabei…
In Tiefe liegende Schätze 
schreiben wir einander 
in Großbuchstaben 
auf die Pupillen – 
wir entzünden einander.

Du zerrinnst in mir.
Du kennst mich nicht doch du 
wohnst in mir ich 
bin deine Heimat ich
bin was du brauchst
– ein Zelt kein Haus –
und du 
füllst meinen geleerten Tank
nach Zuwendung auf.
Deine Härte gibt mir Raum 
mich selbst
Stein um Stein
ab- und wieder aufzubauen.

Du lässt mich zerbröckeln.
Bringst mich zum Zweifeln,
und dazu, über Ecken, Kanten und 
kilometerweite Strecken zu denken.
Die Fragen,
die mich quälten – 
aufgelöst durch einen einzigen Blick
der mein Mark durchdringt – 
DU ERZIEHST MICH.

Du verlierst dich in mir
und ich verliebe mich in dich.
Du zerfließt in mir –
jeden Tag ein paar Tropfen mehr.
Der dunkelste Bann,
dem ich mich je hingegeben,
Der dunkelste Mann,
dem ich je erlaubt habe
mein Leben zu nehmen.
ICH ERTRINKE IN DIR – 
so gefährlich,
das Spiel das wir spielen.

Du vergehst in mir.
Tugendhafte Betäubung,
erlerntes Vergessen.
Wenn wir in unsere Uniformen steigen,
unsre Herzen entgleiten,
erstickt uns das Leben.
Der Wirbel des täglichen Gegeneinanderstrebens
lässt uns keine Luft zum Atmen.
Der Moment, in dem wir uns erfanden,
ist verstrichen, ist 
vergangen.
Es ist, wie der bemitleidenswerte Versuch,
Asche 
mit den Fingern aufzuheben,
einzusammeln.

Doch habe keine Sorge, denn
was auch immer geschieht,
ich gleite 
weiterhin mit den Händen übers Papier
mit dir in mir
und verstecke hinter den Zeilen
deinen Namen,
deine das Leben bejahenden Worte
auf zerbrochene Fragen
lege ich in jeden Satz hinein – 
du kannst dir sicher sein.

Die sich ständig wandelnde drehende 
Erscheinungswelt
verändert auch dich,
verändert auch dein Gesicht.
Gefangen im Realitätswahn,
unter ständiger Penetration 
meiner Sinne,
ausgesetzt in ein Leben
inmitten des Stroms des 
unaufhörlichen Strebens
nach MEHR – 
sehne ich mir dich her,
wünsche ich mir jemanden her,
der mir Wert verleiht,
denn mir selbst kann ich meine Einzigartigkeit
nicht verzeihen, 
mein Ehrgeiz
färbt mich stets allein.
Und schlagen die Wellen hoch,
muss ich mich von dir befreien.
Du bist 
eins der vielen Dinge
die ich benötige,
um mir selbst in der Welt des Daseins
Glaubwürdigkeit 
zu verleihen.

(06.02.2022)