Nähme man mir alles –
mein Zuhause
mein Leben
alles was ich anscheinend brauche
Nähm man mir die Dinge die ich liebe
alles wonach ich so dringlich suche
meine Familie, die Menschen denen ich diene
und all meine Versuche
irgendjemand zu sein
Nähme man mir die Kleidung
auf meiner Haut,
die Tinte
unter meiner Haut,
meinen Körper
von Kopf bis Fuß
mein Fleisch und Blut
Nähm man mir meine Wünsche
meine Sehnsucht
meine Liebe
und meine Wehmut
Nähm man mir
die Tränen die ich geweint
die Lektionen die ich gelernt
und die Träume die ich gelebt habe –
die Welt die ich erschaffen habe
alles was Mein
Nähme man mir
jeden Atemzug
jedes bebende Gefühl
jeden süßlichen Schmerz
und all mein schäbiges Tun
alle Scherben
und alle Blumen
man nähm mein Herz
es ist nichts wert
Nähm man meine Zukunft
und das was war
das Streben
nach Glück
Erfolg
und Macht
all das
was mich
menschlich macht
Nähm man mir die Luft zum Atmen
die Erde auf der ich stehe
die Füße mit denen ich auf ihr gehe
die Hände mit denen ich meine Seele anmale
die Geheimnisse die ich so
achtsam bewahre
die Erfahrungen auf die ich baue
die Menschen zu denen ich aufschaue
Nähm man ALLES
von mir,
einfach alles,
dann fände man
in dem
was übrig bleibt,
endlich,
das
was ich bin:
NICHTS
(15.11.2021)

